Forschungsgarten

Der Gründungsimpuls des Forschungsgartens im Jahr 2018 liegt im Landwirtschaftlichen Kurs von Rudolf Steiner. Dieser Kurs enthält eine lange Reihe von Aussagen, deren tiefere Bedeutung bis heute rätselhaft erscheint. So müsste beispielsweise – gemäss Steiner – die Sonnenblume eigentlich Jupiterblume heissen aufgrund ihrer gelben Farbe, mit der sie die Jupiterkräfte viel mehr als die Sonnenkräfte zum Ausdruck bringt.

Das Ziel des Gartens ist zweifach: Einerseits untersuchen wir auf den ersten Blick nicht erkennbare Zusammenhänge zwischen Pflanzen und ihrer Umwelt, dem Kosmos. Andererseits führen wir die Studenten der biologisch-dynamischen Ausbildung an diese Fragen heran, befähigen und ermuntern sie, diesen in ihrem künftigen bäuerlichen Leben auch weiterhin nachzuspüren.

Seit der Geburtsstunde des Gartens spielt Eurythmie auf dem Feld und an den Pflanzen eine zentrale Rolle. Ihre Wirkung auf Wachstum, Entwicklung und die Ernte von Pflanzen war und ist Thema zahlreicher Studien des Gartens (siehe vergangene Jahresberichte). Derzeit fokussieren wir uns auf wenige, längerfristig ausgerichtete Studien. Die vielfältigste, angelegt auf fünf Jahre, untersucht – in Zusammenarbeit mit dem KWALIS Institut, Fulda – nun im zweiten Jahr den Einfluss von Eurythmie und Meditation auf die Entwicklung verschiedener Pflanzenarten sowie auf die Qualität ihrer Samen. Dieses Experiment ist eingebettet in eine Grossstudie, an der über 10 verschiedene Forschungsinstitutionen teilnehmen. Es ist, wie auch das folgende, in Teilen finanziert über die Software AG Stiftung, Darmstadt, Deutschland. Im Hinblick auf neuere Untersuchungen im Bereich der Epigenetik könnten Eurythmie-Studien an Pflanzen noch ganz neue Dimensionen der Erkenntnis erschliessen!

Des weiteren führen wir seit 2022 ein Projekt in Zusammenarbeit mit Peter Gloor (Massachusetts Institute of Technology) durch, in dem wir den Einfluss von Feldeurythmie auf das elektrische Potential von Pflanzen untersuchen. Es wird 2025 seinen vorläufigen Abschluss finden. Eine erste Publikation erschien bereits 2024, mindestens eine weitere wird 2025 folgen.

Und schliesslich gehen wir in einem mehrjährigen Experiment der Frage nach der Wirksamkeit von Eisen- und Kupferwerkzeugen auf die Lebensprozesse bei Zwiebeln nach. Die Metalle haben unterschiedliche Wirkungen auf den Boden und damit auf seine Feinstruktur und das dort lebende Mikrobiom. Eisen hat als Qualität eine wasserbindende Fähigkeit, indem es oxidiert. Kupfer geht viel feiner mit dem Wasser um und zieht dieses nicht oder in viel geringerem Masse an. Zwiebeln sind feuchtigkeits-sensible Feldfrüchte. Wenn sie zu nasse „Füsse“ bekommen, werden sie anfällig für Krankheiten, Pilze und Fäulnisprozesse. Wie reagieren sie in Böden, die mit Eisenwerkzeugen behandelt, oder solchen, die mit Kupferwerkzeugen bearbeitet wurden? Dieses Experiment dient gleichzeitig als Schau-Versuch für die Studenten.

Seit dem letzten Jahr (2024) erweitern wir unsere Untersuchungsmethoden. Neben der Aufzeichnung quantitativer, statistisch auswertbarer Parameter gewinnt für uns die Morphodynamik, also die Ausprägung und Verwandlung der Gestalt im Laufe einer Pflanzenentwicklung, immer mehr an Bedeutung. Zudem macht die weitgehend ausgereifte und standardisierte Methode der Fluoreszenz-Anregungs-Spektroskopie (KWALIS-Institut, Fulda) im Feinstofflichen Unterschiede erkennbar, die dem menschlichen Auge verborgen bleiben.

Auf agronomischer Ebene möchten wir den Studenten im Garten beispielhaft demonstrieren, wie durch eine schonende, nur oberflächliche Bearbeitung des Bodens das Lebensgefüge in den tieferen Schichten des Erdreichs erhalten werden kann und sich dieses auf den Anbau positiv auswirkt. Eine Fülle von wissenschaftlichen Erkenntnissen der letzten Jahre zeigt hier, wie durch sorgfältigen Umgang mit dem Boden Lebenszusammenhänge von Mikroorganismen bis hinauf zu den höheren Organismen bewahrt werden und nicht zuletzt den Anbaupflanzen in ihrem Wachstum behilflich sein können. In derselben Weise betrachten wir die Integration von Biodiversitätsflächen („Blühstreifen“), um dieses zunehmend wesentliche Thema ins Bewusstsein zu rücken und seinen guten Einfluss auf die Felder zu demonstrieren.

Regelmässig präsentierten wir unsere Arbeiten der Öffentlichkeit, beispielsweise auf den Herbsttagungen der naturwissenschaftlichen Sektion im Goetheanum in Dornach, auf den Tagungen der Software AG Stiftung oder auf der Veranstaltung „1001 Gemüse“ in Rheinau. Schliesslich sind wir in stetem Austausch mit anderen forschend tätigen Menschen, z.B. auf den Saatguttagungen der GLS-Zukunftsstiftung sowie mit den Züchtern von Sativa oder der Getreidezüchtung Peter Kunz (GZPK).

Moritz Weinbeer

Moritz Weinbeer

Projektleitung

Aktuelles aus dem Projekt:

Publikation „Can Plants Sense Humans? Using Plants as Biosensors to Detect the Presence of Eurythmic Gestures“ -> Link

Publikation: „Machine Learning Distinguishes Plant Bioelectric Recordings with and Without Nearby Human Movement“ -> Link

 

 

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