Biodynamische Forschung

Unsere Leitgedanken

Unsere Vision sind landwirtschaftliche Systeme, die qualitativ hochwertige Nahrungsmittel hervorbringen, sowie die Arten- und Prozessvielfalt fördern, erhalten und regenerieren. Nur vielfältige Ökosysteme bieten uns Menschen einen Lebensraum, der reich an physischer, seelischer und geistiger Nahrung ist und zugleich eine resiliente Lebensgrundlage für zukünftige Generationen schafft. Die Bewirtschaftung dieser Systeme erfordert ein grosses Verständnis für die Ökosysteme und die Prozesse, die sich darin vollziehen. Für jede zusätzliche Art in einem Ökosystem vervielfacht sich die Anzahl der Interaktionen potenziell. Die grosse Anzahl von Wechselwirkungen macht ein artenreiches System resilient und gleichzeitig sehr komplex. Alles ist Wirkung und Ursache zugleich: Ein Geflecht aus gegen- und wechselseitigen Abhängigkeiten. Statisches Wissen allein reicht nicht aus, ein lebendiges, sich stets im Wandel befindendes System zu verstehen und zu erfassen. Als Landwirt:in ist es daher eine zentrale Fähigkeit, mit neugierigen und offenen Sinnen dem Hofgeschehen immer wieder aufs Neue zu begegnen. Ist diese Neugierde gepaart mit ehrlichem Interesse am Gegenüber entsteht das Fundament einer fruchtbaren Beziehung zu Allem und Jedem.

Mit unserer Forschung wollen wir das Potential, das in diesen Beziehungen steckt, erforschen und aufzeigen. Die Anerkennung auch nicht menschlicher (Lebe-)wesen als Subjekte und Beziehungspartner bedarf eines Paradigmenwechsels unserer westlichen Weltanschauung in der der Mensch als alleinherrschendes Subjekt dominiert. Diesen Paradigmenwechsel sehen wir als eine absolute Notwendigkeit, um die Landwirtschaft an die rasanten Umweltveränderungen anzupassen und mit der (Mit-)Welt zu versöhnen.

Öffentlicher Info-Abend zu allen Projekten mit Social Café und anschliessendem Apéro:

Mittwoch, 6. Mai, 18.15 – 20.00 Uhr

Im Sativa Hauptgebäude, grosser Saal.
Chorbstrasse 43, 8462 Rheinau

Diese Leitgedanken prägen unsere Forschungspraxis:

Forschung als gemeinsamer Entwicklungsprozess

In unserer Forschung greifen wir Fragen aus der Bäuer:innennschaft auf und schaffen im Rahmen unserer Projekte Räume, in denen diese ergründet und erkundet werden können. Bereits im Prozess der Projektierung findet in Zusammenarbeit mit den Landwirt:innen ein breiter Erfahrungsaustausch statt, der auch ein wesentlicher Teil eines jeden Projekts darstellt.

Interdisziplinär und im Puls der Gesellschaft

Es ist unser Bestreben, mit dem aktuellen Zeitgeschehen mitzuhalten und aktuelle gesellschaftliche Fragen und Anforderungen zu adressieren. Dazu verfolgen wir einen vielfältigen, interdisziplinären Ansatz. In unseren Praxisversuchen testen und werten wir unter anderem auch neue und innovative Methoden aus, um das Wissen darüber intern und extern zu vermitteln.

Vernetztes Denken und gemeinsames Handeln

In der agrarökologischen Bewegung und den Methoden der regenerativen Landwirtschaft finden wir viele unserer Werte und Ziele wieder, weshalb wir mit einer Vielzahl an Projekten und Höfen einen regen Austausch oder eine Zusammenarbeit pflegen. Unsere Zusammenarbeit mit Forschungsinstituten im In- und Ausland führt zudem zu einem fruchtbaren Austausch über die Forschungsfragen.

Wissen teilen und Räume öffnen

Durch unsere Projekte wollen wir Austauschplattformen schaffen, die viele Stimmen integrieren und so zusammen mit den sauber dokumentierten, transparent durchgeführten Forschungsversuchen einen möglichst grossen Erfahrungsschatz generieren. Wir heissen auch andere Forschungsinstitute willkommen unsere «Räume» für ihre Forschungsfragen und Datensammlungen mitzunutzen.

Beziehungen erforschen mit Achtung und Verantwortung

Zur Selbstprüfung unserer Herangehensweise ist die Auseinandersetzung mit folgenden Fragen in unseren Forschungsprojekten wichtig und ein zentraler Bestandteil unserer Forschungsethik: «Wer will etwas von wem? In welcher Beziehung stehen die Beteiligten zueinander? Wem dient das Ganze? Wie können wir sicherstellen, dass alle Beteiligten gehört und respektiert werden? Haben wir das Einverständnis aller Beteiligten? Sind alle Forschungselemente transparent und nachprüfbar?» (aus Kocku von Stuckrad. Nach der Ausbeutung. Wie unser Verhältnis zur Erde gelingen kann. Europa-Verlag, Berlin 2024)

Erkenntnis durch Praxis und Dialog

Die Versuchsanlagen für unsere Forschung bewirtschaften und pflegen wir nach den Prinzipien der biologisch-dynamischen Landwirtschaft. Sie sollen gleichzeitig Versuchsfläche und Orte sein, auf denen die biodynamische Anbauweise erlebt und diskutiert werden kann und auf der weitere (Forschungs-)fragen geweckt werden.

Bildung und Forschung im Dialog

Die Student:innen der Biodynamischen Ausbildung Schweiz werden zunehmend in unsere Forschung mit eingebunden – nach Möglichkeit lassen wir ihre Bedürfnisse und Fragen ebenfalls in das Forschungsgeschehen mit einfliessen.

Teil des lebendigen Ganzen

Unserer Meinung nach hat die biodynamische Landwirtschaft folgende Aufgabe: Sie will Beziehung zu allem, was uns umgibt, und Anerkennung dessen, was wir nicht oder noch nicht verstehen (was die Menschen, bis anhin übersinnlich, geistig, oder ganz einfach spirituell nannten). Diese Einsicht gibt dem Menschen die Fähigkeit, sich als Teil eines Ganzen wahrzunehmen und auch dementsprechend zu handeln. Diese Aufgabe möchten wir auch in die Gesellschaft tragen, damit Nahrungsmittelerzeugung einhergeht mit Naturschutz und deren ökologischer Fussabdruck gleichbedeutend mit einem positiven Impakt wird.

Forschungsgarten

Der Forschungsgarten dient als Lernort für Studierende der BDAS und als Standort für mehrjährige wissenschaftliche Untersuchungen. Aktuelle Experimente befassen sich mit dem Einfluss von Eurythmie und Meditation auf Pflanzen, der Wirkung von Stahl- und Kupferwerkzeugen auf Zwiebeln sowie der Messung des Elektropotentials bei Basilikum, Salat und Tomaten unter dem Einfluss von Feldeurythmie.

Sukzessiver Agroforst

Dieses Projekt testet die Umsetzung sukzessiver Agroforstwirtschaft in der Schweiz. Dabei werden landwirtschaftliche Flächen mit dicht bepflanzten Gehölzstreifen kombiniert, um Lebensräume für Nützlinge zu schaffen, Kohlenstoff zu speichern und das Mikroklima zu beeinflussen. In einem langfristigen Feldversuch auf 5000 m² wird die Praxistauglichkeit als wichtige Pionierarbeit erforscht.

WeideGetreide

Dieses Projekt untersucht, wie die (Re-)Integration von Weidetieren in den Ackerbau landwirtschaftliche Systeme vielfältiger, gesünder und widerstandsfähiger macht – inspiriert von der natürlichen Koexistenz von Graslandsystemen und grossen Pflanzenfressern. Im Fokus steht die Kombination von bodenschonender Bewirtschaftung und Beweidung sowie deren Auswirkungen auf Fruchtfolge, Ertrag, Arbeitsaufwand und Umsetzbarkeit. Die Erfahrungen werden jährlich mittels Fragebogen ausgewertet.

Hofindividualität

Ein Hof ist mehr als ein Produktionsort – er ist ein lebendiger Organismus, in dem alles mitei-nander vernetzt ist. Dieses Projekt, eine Kooperation der biodynamischen Ausbildung und des Forschungsinstituts (FiBL) Schweiz, erforscht mit Landwirt:innen, ob Höfe mit organischen Strukturen langfristig erfolgreicher wirtschaften können.