Hofindividualität
Vielfalt als Schlüssel zur ZukunftsfähigkeitAusgangslage und Vision: Der Hof als lebendiger Organismus
Die Idee des Hoforganismus hat eine lange Tradition in der biologisch-dynamischen Landwirtschaft. Bereits Rudolf Steiner formulierte 1924 in seinem landwirtschaftlichen Kurs: „Eine Landwirtschaft erfüllt eigentlich ihr Wesen im besten Sinne des Wortes, wenn sie aufgefasst werden kann als eine Art Individualität für sich, eine wirklich in sich geschlossene Individualität.“
Wir sehen ein vielversprechender Ansatz darin, jeden Hof als einzigartigen Organismus zu verstehen und weiterzuentwickeln. Diese ganzheitliche Betrachtungsweise ermöglicht es, die individuellen Stärken jedes Betriebs zu erkennen und zu nutzen. So können landwirtschaftliche Betriebe resilient auf die aktuellen sozialen, ökologischen und ökonomischen Herausforderungen reagieren und zugleich die dringend benötigte Vielfalt in der Landwirtschaft wiederherstellen.
Das Forschungsjournal
Kernstück des Projekts ist ein Forschungsjournal, welches das Projektteam gemeinsam gestaltet hat. Dieses Journal begleitet die Teilnehmenden über ein Jahr bei der systematischen Selbstreflexion. Dieser partizipative Forschungsansatz verfolgt mehrere Ziele: Die Praktikerinnen und Praktiker stärken ihre betriebliche Entwicklungskompetenz, während wir als Forschungsteam Einblicke in gelebte Hofindividualität gewinnen.
Forschung gemeinsam gestalten
Am 26. September 2024 kamen 49 Personen von 35 landwirtschaftlichen Betrieben zum Auftaktworkshop auf dem Biohof Schüpfenried zusammen. In dieser ersten Projektphase, die von September 2024 bis September 2025 läuft, begleiten wir die teilnehmenden Betriebe bei der systematischen Erforschung ihrer Hofindividualität.
Das Besondere an unserem Ansatz ist die enge Verbindung von Praxis und Forschung: Die Landwirtinnen und Landwirte sind nicht einfach Projektteilnehmende, sondern aktive Mitforschende. Sie tragen mit ihren Beobachtungen, Reflexionen und Erfahrungen wesentlich zur Entwicklung des methodischen Werkzeugs und zum Erkenntnisgewinn bei.
Die Erkenntnisse aus der ersten Projektphase eröffnen verschiedene Entwicklungspfade für die Zukunft:
- Methodische Weiterentwicklung: Basierend auf den Erfahrungen verfeinern wir das Forschungsjournal und entwickeln neue Werkzeuge zur Erfassung der Hofindividualität
- Wissenschaftliche Auswertung: Die gesammelten Daten geben Aufschluss über die praktische Bedeutung von Hofindividualität und ihre Entwicklungsmöglichkeiten
- Themenfindung: Durch die Analyse der Journale kristallisieren sich aktuelle Herausforderungen der biologischen und biodynamischen Landwirtschaft heraus
- Vernetzung: Identifizierte Themen können mit bestehenden Projekten vernetzt oder in neue Vorhaben überführt werden
- Innovationsförderung: Vielversprechende Ansätze aus den teilnehmenden Betrieben können gezielt unterstützt und weiterentwickelt werden
Durch diesen umfassenden Ansatz leistet das Projekt einen wichtigen Beitrag zur zukunftsfähigen Entwicklung der Schweizer Landwirtschaft – einer Landwirtschaft, die Vielfalt als Stärke begreift und die individuellen Potenziale jedes Betriebs zur Entfaltung bringt.
Multiplikation: Fragen teilen, Bewusstsein schärfen
Um das erarbeitete Wissen wirken zu lassen, haben wir als einen Entwicklungspfad das Publizieren eines Almanachs ins Auge gefasst. Durch ein vielseitiges und unterhaltsam gestaltetes Format, das praktische Informationen, Wissen und Denkanstösse vereint, lässt sich ein grösseres Publikum in der Landwirtschaft und deren Umfeld erreichen. Die kalendarische Struktur entspricht der zyklischen Natur der Prozesse auf einem Hof und ein periodisches Erscheinen im Jahresrhythmus ermöglicht die mediale Form und Inhalt des Almanachs auf dem neusten Stand zu halten.
Die Kooperation mit Forscherinnen des FiBL und der Bildungsinstitution BdAS gewährleistet die Reichweite des Projekts und verschafft Zugang zu personellen und methodischen Ressourcen zur Auswertung der ersten Phase. Die Nähe der Projektbeteiligten zu verschiedenen fachlichen und gesellschaftlichen Kreisen ermöglicht eine effektive und weitreichende Kommunikation der Projektinhalte.

Aktuelles aus dem Projekt:
- Jahresbericht 2025, Download PDF
- Artikel im Bioaktuell: Wenn dein Hof ein Mensch wäre, wie würdest du ihn beschreiben?
- Info: Vom 4. -7. Februar führen wir im Rahmen der Landwirtschaftlichen Tagung in Dornach einen Workshop durch und präsentieren erste Ergebnisse. Der Workshop wird mitgestaltet und durchgeführt von 5-6 im Projekt forschenden Landwirt:nnen.
