Viele Wege führen nach Rheinau: Unsere Lernenden haben ganz verschiedene berufliche Hintergründe und bringen unterschiedliche persönliche Erfahrungen mit und sie stehen – nicht zuletzt durch die breite Altersspanne – an unterschiedlichen Punkten im Leben. Zwei Studierende aus der Klasse R geben einen Einblick in ihren Werdegang und ihre Motivation für die Ausbildung.

Leonie Spänhauer (2020 bis 2024)

Ausbildungsmodell: Abschluss EFZ, danach 4. und dann das 1. Jahr, hat Familie

Jahrgang: 1992

Erstausbildung: Restaurantfachfrau EFZ

Leonie, du hast ein spezielles Modell für deine Ausbildung gewählt. Wie kam es dazu?
Ich kam mit der Idee an die Schule, nur das EFZ zu machen. Im letzten EFZ-Jahr merkte ich, dass ich für die Übernahme des elterlichen Betriebes in Zukunft auch den Betriebsleiterabschluss brauchen würde. So war es für mich naheliegend diesen hier an der Schule zu erwerben. Jedoch war es für mich wichtig, so lange wie möglich im selben Klassenverbund zu bleiben, da die Ausbildung stark durch den Klassengeist geprägt ist. So kam es, dass ich mit der Klasse N in das 4.Jahr startete und nun das erste Jahr mit der Klasse R mache.

Was macht die Ausbildung in Rheinau aus?
All die verschiedenen Individuen, welche sich hier zusammenfinden um eine Idee, eine Lebenseinstellung zu erlernen. Das Leben als Gemeinschaft während der Schulwoche und die unkonventionelle Art wie hier unterrichtet wird.

Was gefällt dir persönlich an der Ausbildung?
Die Lehrpersonen und Dozent:innen begegnen den Studierenden auf Augenhöhe. Ich habe das Gefühl es wird nicht nur Wissen vermittelt, sondern noch viel mehr. Auch der Ausgleich mit künstlerischen Fächern wie Singen, Tanzen oder Eurythmie gefällt mir sehr gut.

Was würdest du heute anders machen?
Mit weniger Vorurteilen in die Schule starten. 😉

Du hast während der Ausbildung geheiratet und ein Kind bekommen. Wie hast du das geschafft?
Meine Klasse und natürlich mein Mann haben mich sehr unterstützt. Mein Mann ist im vierten Jahr immer mit zur Schule gekommen, damit ich am Unterricht teilnehmen und trotzdem unser Kind voll stillen konnte.

Hast du dich auch von der Schule unterstützt gefühlt?
Ja sehr. Die Schule war sehr verständnisvoll und unkompliziert. Wir konnten sogar als ganze Familie mit auf die Abschlussreise.

Wie geht es nach der Ausbildung für dich weiter?
Meine Schwester, mein Mann und ich planen momentan die Übernahme des elterlichen Betriebs und werden diesen ab 2025 führen.

Moritz Kühne (2023 bis 2027)

Ausbildungsmodell: regulär, Einstieg in das 1. Jahr der Ausbildung

Jahrgang: 1991

Erstausbildung: Landschaftsgärtner EFZ

Moritz, wo stehst du aktuell in deinem Leben und wieso hast die Ausbildung in Rheinau in Angriff genommen?

Nach 17 Jahren Berufstätigkeit zuerst auf meinem Erstberuf als Landschaftsgärtner, dann als Gleitschirmlehrer im Sommer und Skilehrer im Winter kann ich sagen, dass alles, was ich bis jetzt machen durfte, riesig Spass gemacht hat. Doch immer mehr habe ich nach Sinn in meiner Tätigkeit gesucht. Nicht viele können wie ich an den schönsten Orten dieser Welt mit Gästen Gleitschirm fliegen oder im Winterwunderland von morgens bis abends die schönsten Pisten runterkurven und dies zu allem Spass hin auch noch Arbeit nennen. Doch nebst all diesen schönen Abenteuern, die ich erleben durfte, hat mir immer mehr die innere tiefe Zufriedenheit gefehlt.

Die Arbeit im Garten hat mir immer schon gefallen und die feinen Früchte der Natur zu ernten, ist für mich etwas Grossartiges. Dieses tägliche Bedürfnis nach gutem, natürlichem und nachhaltigem Essen hat mich mehr und mehr gepackt. Den Wunsch nicht mehr an der Zerstörung unserer Natur und Heimat beteiligt zu sein, ist immer lauter geworden. Ich will ein gutes und aufrichtiges Leben führen. Auf meiner Suche nach einem erfüllten Leben habe ich mich dazu entschieden, dass ich in der Landwirtschaft tätig sein will.

Was macht die Ausbildung in Rheinau aus?
Um mehr Wissen und die nötigen Zulassungen, um einen Hof führen zu können, zu erhalten, muss man in der Schweiz eine anerkannte Ausbildung absolvieren. Ich habe mir viele Wege und Möglichkeiten dafür angeschaut. Doch bald war klar, ein Weg der Profitmaximierung durch Ausquetschung und Vergiftung der uns anvertrauten Tiere und Landschaft, wird mich meinem Ziel der sinnvollen und nachhaltigen Lebensmittelproduktion nicht näherbringen. Auf meiner Suche habe ich zum Glück von der biodynamischen Landwirtschaft erfahren und durfte nach einigen Recherchen mit Freuden feststellen es gibt andere Möglichkeiten und genau diese werden in der Biodynamischen Ausbildung gelehrt.

Was gefällt dir persönlich an der Ausbildung?
Schon vor Ausbildungsbeginn habe ich auf einigen Betrieben mitgearbeitet, was mir sehr gefallen hat. Und jetzt nach einigen Monaten in der Ausbildung begeistert mich die Schule unglaublich. Schon einige Male habe ich mich geärgert, dass eine Vorlesung sich schon wieder dem Ende zu neigt. Ich, der nie gerne die Schulbank gedrückt habe und mir bis dahin immer den Fensterplatz ausgesucht hatte. Die Ausbildung begeistert mich durch professionelle vielfältige und hochkarätige Dozierende, umfassendes Aufzeigen von Lösungen für eine zukunftsfähige Lebensmittelproduktion und ein Ausbildungskonzept das umsichtig und dynamisch ist.

Wie geht es nach der Ausbildung für dich weiter?
In meiner Heimat dem wunderschönen Glarnerland erträume ich mir eine vielfältige und nachhaltige Nahrungsmittelproduktion, die ermöglicht, dass auch noch unsere Enkel auf demselben Boden gesundes Essen anbauen dürfen.